AZmodel Messerschmitt Bf 109 H-0 Nr.: AZ7540 1:72

Historisches

Die Luftkämpfe am Europäischen Schauplatz des WK 2 verlagerten sich mit zunehmender Dauer in immer größere Höhen.

 

Im Bestreben, einen leistungsstarken Höhenjäger zu fertigen, griff man bei Messerschmitt zur bewährten Bf 109 und baute das Projekt quasi um diese herum auf.

 

Allerdings verzögerte sich das Vorhaben unplanmäßig, sodaß man es schließlich zu Blohm & Voss auslagerte, wo es unter dem Projektnamen Bv 155 weiterentwickelt wurde.
Messerschmitt gelang lediglich der Bau von zwei Prototypen, die eine verlängerte Spannweite aufwiesen, welche durch einfügen eines Mittelstücks erreicht wurde. Daran wurden sodann Tragflächen samt Fahrwerk angeschlagen, lediglich Höhen- und Seitenleitwerk wurden auf das größere Maß der Messerschmitt Me 209 V-5 gebracht.

 

Es gibt Quellen, wonach im besetzten Frankreich einige Bf 109 H gefertigt wurden, welche aus Umbauten von Bf 109 F und G bestanden, und lediglich das Tragflächenmittelstück zur Spannweitenverlängerung eingebaut bekamen.

 

Gesichert ist dieser "Serienbau" allerdings nicht; zeitgenössische Fotodokumente solcher Bf 109 H sind (bis jetzt) nicht bekannt, Unterlagen jener Aufklärungseinheit bei Guyancourt, bei welcher diese 109er geflogen sein sollen, sind keine vorhanden.

Bausatz

AZmodel liefert hier einen sehr gut gelungenen Bausatz aus seiner Bf 109 F Serie ab, mit einem zusätzlichen Gußast für die verlängerten Tragflächen.

 

Diese Tragflächen sind das einzig Problematische an dem Modell, aber nicht, weil sie eine Spur Gußgrat aufweisen, sondern weil nicht nur das Tragflächenmittelstück zur Spannweitenverlängerung eingefügt wurde, sondern zusätzlich auch noch die Tragflächenspitzen verlängert wurden.

 

Das ist ein Widerspruch in sich, denn AZmodel weist in der auf dem Bauplan abgedruckten Typendokumentation eben auf diese Tatsache hin, daß die verlängerte Spannweite beim Original nur durch Einfügen eines entsprechenden Mittelstückes erreicht wurde.
Wieso dann diese Tragfläche, die somit nicht Fisch und nicht Fleisch ist?

 

AZmodel hat damit die Chance vergeben, ein historisch korrektes Modell herzustellen.

 

Auch der Bausatz der Bf 109 H-1, vom selben Hersteller, kann keinen Anspruch auf Originaltreue stellen, denn dieses Modell, Ausgangsbasis eine Bf 109 G, hat das große Seiten- und Höhenleitwerk der Me 209 V-5 – diese Teile wurden aber nie in einer Serienfertigung hergestellt, denn von der Me 209 V-5 gab es eben nur ein Stück.

An der Qualität des Grundbausatzes Bf 109 F gibt es nichts auszusetzen, der spielt für diesen Maßstab alle Stückerl, mit den seitlichen Konsolen und vielen Details im Cockpit, einem sehr filigranen Armaturenbrett, und vielen weiteren schönen Details.

Lediglich die Sitzgurten muß man selbst ergänzen.

 

Der Hersteller hat nicht mit Vollausstattung gegeizt und so bleiben nach dem Zusammenbau etliche brauchbare Teile für die Restekiste über.

 

Leider ist die Cockpithaube nur einteilig, mit der Panzerscheibe als zusätzlichem Bauteil und dem Revi (Reflexvisier) am selben Gußast - aber ohne Positionslichter.

 

Kennungen und Markierungen, fehlerlos gedruckt, gibt es für drei verschiedene Maschinen, deren Abbildungen auf der Rückseite des Kartons sogar die richtigen Tragflächen (ohne verlängerte Spitzen!) zeigen. Auch das Armaturenbrett findet man auf diesem Bogen.

Kurz gesagt: Ein Grundbausatz fast ohne Fehl und Tadel, im Preis moderat, in der Gestaltung der Besonderheit – nämlich der Spannweitenverlängerung – fraglich. Trotz vieler kleiner Details auch für Anfänger geeignet.

P. Fritz


20170311