ICM Dornier Do 17 Z-10 Kauz II Nr.: 72303 1:72

Historisches

Schon früh im WK2 wurden nachts Bomben-Einsätze geflogen, ebenso früh ergab sich die Notwendigkeit, dagegen anzugehen – auf allen Seiten der Fronten.

 

Im Deutschen Reich wurden zuallererst einmotorige Jagdflugzeuge behelfsmäßig als Nachtjäger eingesetzt.

 

Die notwendige längere Einsatzdauer (gegenüber "gewöhnlichen" Abfang- oder Begleit-Jagdeinsätzen) machte rasch klar, daß man für diesen Zweck wohl besser auf zweimotorige Kampflugzeuge zugreifen sollte.

 

Die Liste zweimotoriger Nachtjäger der Luftwaffe ist lang, zu lang um sie in allen Details hier aufzuführen.

Die Nachtjagd-Muster von Dornier zeichneten sich dadurch aus, daß schon früh technische Hilfsmittel zur Erfassung gegnerischer Flugzeuge eingesetzt wurden, nämlich Infrarot-Geräte, sogenannte Spanner-Anlagen. Diese bestanden aus einem Infrarot-Scheinwerfer und einem dazugehörigen Empfänger, der aussah wie ein zu dick geratenes Fernrohr. Das bald darauf in der Nachtjagd folgende Radar überholte aber die Infrarot-Technik.

 

Dornier baute Spanner-Anlagen in die Baumuster Dornier Do 17 Z-7 (Kauz I), Z-10 (Kauz II) und Do 215 B-5 ein; die späteren, wesentlich kampfstärkeren Do 217 J-2 und N-1 und N-2 waren ausschließlich mit Radar ausgerüstet.

 

Gemeinsames Merkmal aller Dornier Nachtjäger waren eine große Reichweite, eine im Bug zusammengefaßte starke Bewaffnung und eine mäßige Geschwindigkeit.

 

 

Bausatz

 

ICM ist ja hinlänglich bekannt für detailgenaue Bausätze, die dann und wann den Nachteil sich sträubender Paßform haben.

Was die Detailfülle betrifft, hat ICM hier wieder mal ein Meisterstück abgeliefert – der einzige Kritikpunkt ist die Bugbewaffnung, welche lediglich aus den Mündungen besteht, im Inneren ist dazu leider gar nichts dargestellt, auch nicht das Infrarot-Gerät, von dem gibt's nur die Glasabdeckung.

 

Alles andere aber, und davon ist eine Menge, mit vielen Details, vorhanden, ist für 1:72 vorbildlich gelöst. Aber schön der Reihe nach.

 

Im gut einsehbaren Cockpit fehlen eigentlich nur die Sitzgurten, alles andere ist in ausreichender Genauigkeit nachgebildet. Aber was ist mit dem Pilotensitz passiert? Der ist zu klein ausgefallen, auf dem hätte eine allfällige Pilotenfigur (z.B. von Airfix) wohl nur mit einer Arschbacke Platz.

 

Ruderpedale, Steuerhorn, Instrumentenbrett (auch auf dem Abziehbilderbogen) – wo bei älteren Bausätzen oft gähnende Leere herrschte, ist hier alles da was hingehört.

 

Auch das MG des Heckschützen ist sehr zart und filigran modelliert.

 

Die dünn gegossene Haube liegt in zwei Ausführungen bei; einmal mit Öffnung in linker Frontscheibe (für das Spanner-Sichtgerät) und einmal mit Öffnung in rechter Frontscheibe (für das Bug-MG wie in der Bomber-Ausführung). Es liegen auch die vorderen Panzerscheiben bei, die rechte jedoch mit Öffnung für das soeben genannte Bug-MG. Hier hat sich ein Fehler eingeschlichen – die Panzerscheiben beim Kauz II weisen rechts keine Öffnung auf, was Originalaufnahmen deutlich belegen. Die im Bauplan als überflüssig gekennzeichnete linke Panzerscheibe (Gußast D / Teil 3) gehört also auf jeden Fall angebaut, die rechte Panzerscheibe (D/10) jedoch durch eine ohne Loch ersetzt.

 

Weiter hinten, im Bombenschacht, finden wir tolle Rumpfspanten, deren Lochung größtenteils nicht nur angedeutet ist. Im vorderen Teil gibt es den großen Zusatztank und die Bombenaufhängungen sind natürlich für vorderen und hinteren Bombenraum vorhanden, man braucht sie aber beide nicht. Nachtjagdeinsätze wurden ohne Bombenladung geflogen.

Beim Zusammenbau des Höhen- und der beiden Seitenleitwerke ist Vorsicht geboten, die ansonsten sehr exakte Bauanleitung stiftet hier Verwirrung. Es ist nämlich nicht egal, welcher Seitenleitwerkteil an welchen Höhenleitwerkteil geklebt wird. Im Original hatte das rechte Seitenleitwerk einen Anstellwinkel um 1° nach links, um das Motoren-Drehmoment auszugleichen. Ob ICM diese Umsetzung gelungen ist, läßt sich wohl erst beim Bau feststellen.

 

Alle Ruderflächen haben vorbildlich dünne Hinterkanten da sie als Einzelteile gegossen sind, nur die Landeklappen sind fixer Bestandteil der unteren Tragflächenhälften.

 

Noch eine Bemerkung zum Höhenleitwerk: Hier darf, wie bei Airfix' Do 17 Z, ruhig ein kleiner Spalt zum Rumpf bleiben, denn die Trimmung bewegte das gesamte Höhenleitwerk, die Blechplatten am Hecksteiß des Rumpfes lagen darüber und blieben immer bündig mit dem Rumpf, aber nicht mit dem Leitwerk.

Die Fahrwerksschächte sind ein Ausbund an Originaltreue und sogar noch eine Kleinigkeit besser als jene der Airfix Do 17 Z. Natürlich verlangt diese Vielzahl an Bauteilen dem Modellbauer volle Aufmerksamkeit ab.

 

Besonders positiv fällt die Formgebung der Sternmotoren aus. Diese sind nicht nur vollständig ausgeformt, sondern wissen auch durch die zugehörigen, detailgetreuen Aufhängungen (eine Seltenheit bei 1:72er Bausätzen), Aggregate, Ventilstößel und Abgasleitungen zu gefallen.

Die Spritzlinge bestechen durch schlaue Lösungen; so sind z.B. filigrane Teile durch umgebende, der Bauteilform "folgende" Gußäste möglichst vor Transportschädigungen geschützt.

Was mir bei den transparenten Teilen abgeht, sind die Positionslichter. Alle anderen Teile sind formschön und schlierenfrei gegossen.

 

Die Markierungen und Kennungen sind tadellos gedruckt und zeigen zwei kohlrabenschwarze Maschinen des Nachtjagdgeschwaders 2. Naja, woanders wurden die seltsamen Käuze mit den Infrarotgeräten ja auch kaum geflogen.

Kurz gesagt: Für einen Detail-Fetischisten wie mich der Bausatz schlechthin; gehört in jede 1:72er Sammlung von Kampfflugzeugen des WK 2. Viele sorgfältig geformte Einzelteile sorgen für größtmögliche Originaltreue, ohne teure Zurüstteile kaufen zu müssen. Für Anfänger, ob der bei ICM teilweise problematischen Paßgenauigkeit, ein Prüfstein.
Im Preis-Leistungs-Verhältnis schon fast unschlagbar.

Peter Fritz

20161022