Airfix Bristol Beaufighter TF.10 Nr.: A05043 1:72

Historisches

 

Auf der Basis der Bristol Beaufort wurde ein zweimotoriges Kampfflugzeug aufgebaut, das für Erdkampfunterstützung, Schiffsbekämpfung und sogar Nachtjagd ausgelegt wurde.

 

Die ersten Baumuster, mit schiebergesteuerten (statt mit konventionellen Ventilen ausgestatteten) Bristol-Motoren, waren schnell, mit vier 4-cm-Kanonen und sechs MG (vier im rechten, zwei im linken Tragflügel) stark bewaffnet, und zudem relativ leise; was beim Gegner in Fernost zum Spitznamen "Flüsternder Tod" führte.

 

Die Entwicklung kampfwertgesteigerter Baumuster führte zu Änderungen wie längeren Lufteinlässen für die stärkeren Motoren, der Möglichkeit Bomben, Torpedos oder Raketen (unter den Tragflächen, anstelle der MG) mitzuführen, einem Abwehr-MG für den Navigator, Radar-Ausrüstung für die Nachtjagd, einem Höhenleitwerk mit V-Stellung  und zuletzt einer langen Flosse am Rumpfrücken zum Seitenleitwerk.

 

Eine Ausführung der Beaufighter wurde mit Rolls-Royce-Motoren gebaut, ähnlich jenen der Avro-Lancaster; diese Stückzahlen blieben aber gering.

 

Kompliziert ist für den Modellbauer die Tatsache, daß frühe Ausführungen der Beaufighter sogar noch während der Einsatzdauer zum Teil auf die Neuerungen nachgerüstet wurden.

 

 

 

Bausatz

 

Der neueste Beaufighter-Ableger aus der Airfix-Form unterscheidet sich nur in wenigen Punkten vom Beaufighter TF X (Nr.: A04019) und zwar in den auffälligsten Unterscheidungsmerkmalen zu frühen Baumustern:

  • Bug mit großer Radarverkleidung
  • nur lange Laderlufteinlässe oben auf den Motorhauben
  • alternativ doppelt senkrecht gehängte Raketenstarter statt der vier waagrechten je Tragfläche
  • alternativ statt des Torpedos ein Zusatztank
  • weit nach vorn gezogene Rückenfinne zur Seitenleitwerksflosse
  • Höhenleitwerk nur in V-Stellung

 

Die Gestaltung des Innenraumes ist für 1:72 gut detailliert, bietet aber Spielraum für Verbesserungen. Bei der Ausführung als Torpedoträger, konnte die Besatzung nicht über die beiden im Rumpfboden eingelassenen Öffnungen zusteigen, sondern nur durch die Hauben.

 

Daß die Öffnungen im Rumpfboden nicht als Einzelteile gegossen sind, stört somit nicht wirklich; aber zumindest die Cockpithaube für den Piloten müßte schon als zweiteiliger Bauteil beiliegen … man sucht vergeblich. Ein offener Zustieg für den Navigator läßt sich mit ein wenig chirurgischer Präzision in Eigenbau durchführen.

 

So quasi als Entschädigung für diese Unterlassung sind die Positionslichter am transparenten Gußast mitgegossen – na also, geht doch!

 

Enttäuschend ist die Tatsache, daß der Bauch der Beaufighter absolute Leere aufweist. Hier waren beim Original (auch im Rüstzustand als Torpedoträger) immer vier Maschinenkanonen untergebracht – was doch geradezu nach detailgetreuer Darstellung schreit.

 

Nur das MG für den Navigator/Heckschützen ist im Bausatz enthalten.

 

Die Bristol-Motoren sind ebenfalls gut modelliert, daß keine Auspuffstutzen (in den vorderen Abgassammler-Ring führend) da sind, irritiert mich aber ein wenig. Beim Bausatz der Bristol Blenheim hat das doch tadellos funktioniert…? Immerhin weist der Bausatz zwei vollständige Doppel-Stern-Motoren auf, etwas, das nicht bei jedem Hersteller so gut funktioniert.

 

 

Die je drei Träger-Sprossen des Abgassammelrings sind mir etwas zu klobig geraten, aber die lassen sich erst ersetzen, wenn die Motoren mit den Motorhauben und allem was dazugehört, zusammengeklebt sind – sonst gibt’s Fehler beim korrekten Ausrichten.

Die Befestigung der Propeller geklebt und doch beweglich ist schlichtweg genial.

 

Die Außen-Bewaffnung – der Torpedo, mit fein dargestellten Propellern, zarte Raketen und deren filigrane Starterschienen – ist sehr schön gelungen und benötigt für ein tolles Ergebnis nur noch eine saubere Farbgebung. Ich empfehle dennoch, die Zündkabel zu den Raketen nicht zu vergessen, die muß man aber selbst ergänzen.

 

 

Das Fahrwerk ist eine tolle Sache, auch wenn die Räder unbelastet dargestellt sind; hier empfiehlt sich genaues Arbeiten, exakte Bemalung und ergänzen der Bremsleitungen mit Kupferlitze.

 

Die Cockpithauben sind leider nur einteilig, aber dünn und klar gegossen.

Die sauber gedruckten Markierungen erlauben die Darstellung einer Beaufighter aus der Zeit des WK 2 oder einer im Einsatzgebiet Malaya im Jahr 1949.

 


Kurz gesagt: Ein Bausatz, produktionstechnisch am neuesten Stand, mit ein paar Unterlassungssünden, der aber jederzeit für ein tolles Endprodukt gut ist, besonders dann, wenn man im Eigenbau ein paar Ergänzungen vornimmt.

Daß man dafür ein wenig in die Tasche greifen muß liegt daran, daß ein Britisches Pfund halt leider immer noch ein schönes Stück mehr kostet als einen Euro.

Peter Fritz

20161008