Armstrong Whitworth Whitley GR Mk.VII Nr.: A09009 1:72

Historisches

Die Armstrong Whitworth A.W.38 Whitley war ein schwerer Bomber der 1930er Jahre, dessen erste Baumuster mit Sternmotoren, kürzerem Heck und größeren Doppelleitwerken ausgerüstet waren. Die späteren Baureihen waren mit  Rolls-Royce V-12-Motoren ausgestattet. Ziemlich bald wurden im Laufe des WK 2 zweimotorige "schwere" Bomber der Britischen Luftwaffe durch viermotorige ersetzt.

 

Whitley flogen bei der Royal Air Force und, nachdem sie für die nächtlichen Bombereinsätze über feindlichem Gebiet nicht mehr eingesetzt wurden, auch beim Coastal Command, dort gegen feindliche U-Boote.

 

Whitley warfen in der ersten Phase dieses Krieges (dem sogenannten Phoney War oder Sitzkrieg, nach der Kapitulation Polens) keine Bomben, sondern Propagandazettel ab. Allerdings dürfen Whitleys sich an ihre Fahnen heften, daß ein gewisser Oberbonze aus Adolf des Übergroßen dutzendjährigem Reich sich den Spitznamen Meier*) gefallen lassen mußte – denn Whitleys zählten zu den Ersten, die ihre Bomben über Berlin abluden.

 

Bausatz

Die Whitley GR VII ist die zweite Whitley-Variante, mit der uns Airfix beglückt. So wie der Vorgänger Mk V glänzt auch dieser Bausatz mit seiner umfangreichen Ausstattung. Das Innenleben ist reichlich detailliert; Boden- und Rumpf-Strukturen wohin das Auge schaut (dort wo man's nicht sieht wurde darauf verzichtet), auch die Abwehr-Türmchen für 1:72 sehr gut detailliert. Freilich bleibt für den Tüftler da noch Luft nach oben (so fehlt die Rumpfstruktur ausgerechnet dort, wo man durch die wahlweise offene Einstiegstür reinsehen kann), aber bei welchem Bausatz bliebe das denn nicht?

 

Ein großes Lob verdient Airfix für die modulare Bauweise dieses Modells, so kommt man in kompakten Bauabschnitten rasch voran. Weiters öffnet diese Herstellung Möglichkeiten für weitere Varianten des Bausatzes. Richtig begeistert bin ich auch von der Darstellung der beiden Spanten in Verbindung mit den Hauptholmen – hiermit ist eine korrekte Ausrichtung der Tragflächen gewährleistet. Die Landeklappen und Höhenruder sind separate Bauteile und können ausgelenkt dargestellt werden, was will man mehr?

Die Fahrwerkschächte sind ebenso liebevoll detailliert wie die Bombenschächte sowie die Fahrgestelle, die Reifen belastet dargestellt, Motorgondel und Kühler sehr fein modelliert.

 

Das Tüpfelchen auf dem I wären Nachbildungen der Motoren gewesen, aber leider …
Die Rumpf- und Tragflächen-Antennen sind für 1:72 sehr filigran geformt, dennoch werden Zurüstteile dafür bestimmt nicht lange auf sich warten lassen. Ohne Zurüstteile kann man das mit Kupferlitze (mit etwas mehr Eigenaufwand) ebenso toll erledigen.

 

 

 

 

Die transparenten Teile sind vorbildlich dünn und fehlerfrei, die Cockpithaube liegt in zwei Ausführungen bei. Allerdings fehlen an diesem Gußast die Positionslichter … ich verstehe nicht, wieso Airfix das bei anderen Bausätzen mitformt, bei diesem aber wegläßt – Positionslampen hat doch jedes Flugzeug.

Kennungen und Markierungen sind sehr gut gedruckt und erlauben die Darstellung einer Maschine des Coastal Command oder einer der British Overseas Aircraft Corporation – im Tarnkleid, aber mit ziviler Kennung.

 

 

 

 


Kurz gesagt: Dieser Bausatz erfordert einen etwas tieferen Griff in die Geldbörse, ist es aber durchaus wert. Schon dem Anfänger gelingt ohne Verbesserungen ein herzeigbares Ergebnis, saubere Bauweise vorausgesetzt. Wer Eigeninitiative in weitere Details investiert, wird damit ein Spitzenmodell sein Eigen nennen.

Peter Fritz
20161016


*) Reichsmarschall Hermann Göring wird der Ausspruch zugeschrieben: "Sollten jemals Bomben auf Berlin fallen, will ich Meier heißen!"